Einführung

   Schachprogramme berechnen ihre Züge indem sie viele (oder wie beim Minimax: alle) Varianten fester Tiefe (z.B. 4 Halbzüge) ab der gegebenen Position durchspielen und die entstehenden Endpositionen bewerten. Diese Positionen werden anhand der Anzahl und der Stellung der Figuren (Zentrierung, Mobilität, etc.) bewertet und sind Anhaltspunkt für die gesamte Zugauswahl.

   Die Programme gehen in der Regel bei der Suchtiefe sukksessiv vor, d.h. sie probieren erst alle Varianten mit einem Halbzug Tiefe, dann mit zwei, dann drei usw. Zwischendurch sortieren sie die Zugliste, so dass bei der nächsten Suchtiefe der vermeintlich beste Zug zuerst untersucht wird.

   Die oben beschriebene Vorgehensweise führt zu einem Problem, das mit Horizont-Effekt bezeichnet wird: ein Programm kann u.U. versuchen einem bevorstehenden, großen Stellungsnachteil (etwa einem Damenverlust) dadurch auszuweichen, dass es z.B. mit sinnlosen Schachzügen oder gar (Bauern-)Opfern das Übel über seinen Horizont (d.h. seine begrenzte Rechentiefe) hinausschiebt, und das eigentliche Problem innerhalb der begrenzten Rechentiefe nicht mehr erkennt. Die Folge ist, dass das Programm seine Stellung über diesen bevorstehenden Nachteil hinaus weiter schwächt.

   Aus diesem Grunde hängen alle Schachprogramme eine Vertiefung an diese "normale" Suche, die Schlagzüge und Schachgebote weiterverfolgt. Damit wird das Problem zwar nicht gänzlich beseitigt, aber in akzeptable Grenzen gehalten. Da es wesentlich weniger Schlag- und Schachzüge gibt, ist diese im Vergleich zur normalen Suche mit relativ geringem Rechenaufwand verbunden. Die Vertiefung kann ebenfalls mit festgelegter Rechentiefe erfolgen und/oder solange vertiefen, bis es keine Schlag- und Schachzüge mehr gibt. Deswegen wird sie auch Ruhesuche genannt.

   Eines sei an dieser Stelle noch erwähnt: heutige Programme untersuchen weder bei der normalen Suche, und schon gar nicht bei der Ruhesuche alle möglichen Varianten. Schon ein einfacher Algorithmus wie der Alpha-Beta spart eine Menge Varianten ein, und findet dennoch die gleichen Züge wie der Minimax. Doch dazu mehr an anderer Stelle ... .

Anmerkung: Xenon Chess erlaubt die Kontrolle von Suchtiefe und Ruhesuche-Tiefe. Wer Lust hat, kann damit mal ein wenig experimentieren.

© André Heuner, 1999